Stupidity is not home

Stupidity Is Not Home, zeigt Gemälde von Ali Altin sowie Keramikskulpturen von Sophia Domagala. Ausgehend von der Annahme, dass der dem Unterbewusstsein (home) entspringende künstlerische Schöpfungsdrang nichts „dummes“ hervorbringen kann, haben beide eine intuitive Herangehensweise beim künstlerischen Schaffen.

 

Wie ein Medium auf der Suche nach Frequenzen aus einem kollektiven Unterbewusstsein beschwört Ali Altin in seinen Gemälden mithilfe unterschiedlicher malerischer und grafischer Techniken mystische Welten herauf. Was auf den ersten Blick wie abstrakte, expressive Farbschichtungen und Pinselstriche aussieht, verwandelt sich während des Betrachtens in Körper, Gesichter, ganze Erzählungen. Aus einem Gewirr von Pinselstrichen erscheint ein gelber Mann, als würde er gleich aus der Leinwand steigen; pastose Farbfelder verwandeln sich in eine Szene, bei der DPT aus dem Kühlschrank geholt wird. Die Szenen aus Alis Gemälden scheinen auf unser Unbewusstes zu verweisen. Sie sind geheimnisvoll, grotesk, manchmal bedrohlich, aber auch humorvoll und sinnlich. Häufig greift Ali auf automatische Bildgebungsverfahren zurück, zum Beispiel werden Leinwände mit früheren Gemälden in der Waschmaschine gewaschen, sodass neue Strukturen entstehen, aus denen mithilfe von wenigen Akzentuierungen bizarre Bilder entstehen, die den Betrachter an einen Traum oder eine Rauscherfahrung erinnern.

 

Sophia Domagala setzt sich in ihren Skulpturen prozesshaft mit den äußeren Formen der gegenständlichen Welt auseinander. Dieser Prozess beschreibt eine intuitive Annäherung an einen physischen Körper, den Sophia durch vielfache Wiederholung erforscht und zu verstehen sucht. Getrieben von einem unterbewussten Interesse an einer Form geht sie dieser Neugier auf den Grund, um sie auf ihre Bedeutung und Beständigkeit hin zu untersuchen. Das Thema erarbeitet sie parallel aus dem Schaffen heraus. In Stupidity Is Not Home zeigt sie eine Keramikserie bestehend aus Kirschen, die als fragile Wandskulptur, oder als grosser Haufen vor uns liegen. Ihre duale Form verweist auf Verbundenheit und Zusammensein, birgt aber auch die Möglichkeit der Trennung an der schwächsten Stelle. Somit symbolisieren die Kirschen Zuneigung und erotische Begierde, aber auch Fragilität und Schmerz. Mit ihrer Verfahrensweise untersucht Sophia äußere Erscheinungen und transferiert sie auf eine symbolische Ebene, indem sie Assoziationen auslöst, die das kollektive Gedächtnis und Unterbewusstsein ansprechen.

 

Ali Altin (*1976 in Goch) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der ArtEZ Arnhem und der Kunstakademie Düsseldorf bei Tal R. Seine Arbeiten wurden unter anderem ausgestellt im Kunsthaus Innsbruck, im Parkhaus Malkasten in Düsseldorf und im Haus Mödrath.

 

Sophia Domagala (*1981 in Hamburg) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Humboldt Universität zu Berlin sowie Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Walter Dahn. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Bonner Kunstverein, der Kunsthalle Exnergasse in Wien, der Spinnerei Leipzig und im sic! Elephanthouse Luzern ausgestellt.

Text: Elena Cheprakova

 


 

Stupidity Is Not Home shows paintings by Ali Altin and ceramic sculptures by Sophia Domagala. Assuming that the artistic urge to create, originating from the subconscious (home), cannot produce anything “stupid”, both have an intuitive approach to artistic creation.

 

Like a medium in search of frequencies from a collective subconscious, Ali Altin evokes mystical worlds in his paintings using various painterly and graphic techniques. What at first glance looks like abstract, expressive layers of paint and brushstrokes is transformed into bodies, faces, entire narratives when viewed. From a tangle of brushstrokes, a yellow man appears as if he were about to emerge from the canvas; pasty fields of color transform into a scene in which DPT is taken out of the fridge. The scenes from Ali’s paintings seem to refer to our subconscious. They are mysterious, grotesque, sometimes threatening, but also humorous and sensual. He often uses automatic techniques to create images, such as washing canvases with previous paintings in the washing machine, so that new structures appear, from which bizarre images emerge. They don’t require more than a few accentuations to become images that remind the viewer of a dream or a delirious experience.

 

In her sculptures, Sophia Domagala processually explores the external forms of the representational world. This process can be described as an intuitive approach to a physical body that Sophia examines and seeks to understand through repetition. Driven by a subconscious interest in a form, Sophia explores this curiosity in order to analyze its meaning and persistence. She simultaneously develops the theme through her creative work. In Stupidity Is Not Home she shows a ceramic series made of cherries, which appear as a fragile wall sculpture or laying in a large pile in front of us. Their dual form refers to connection and unity, but also holds the potential of separation at the most vulnerable point. Thus the cherries symbolize affection and erotic desire, but also fragility and pain. With her method Sophia examines external phenomena and transfers them to a symbolic level by triggering associations that address the collective memory and subconscious.

 

Ali Altin (*1976 in Goch) lives and works in Berlin. He studied at the ArtEZ Arnhem and the Kunstakademie Düsseldorf with Tal R. His works have been exhibited at the Kunsthaus Innsbruck, the Parkhaus Malkasten in Düsseldorf and the Haus Mödrath.

 

Sophia Domagala (*1981 in Hamburg) lives and works in Berlin. She studied art history and philosophy at the Humboldt-University Berlin and fine arts at the Hochschule für Bildende Künste Braunschweig with Walter Dahn. Her works have been shown at the Bonner Kunstverein, the Kunsthalle Exnergasse in Vienna, the Spinnerei Leipzig, and the sic! Elephanthouse Lucerne.

Text: Elena Cheprakova